Warum persönliche Entwicklung kein Luxus ist

Wir glauben immer, es gäbe etwas Wichtiges zu tun oder etwas Schönes zu erleben. Das Essen muss auf den Tisch, die Miete bezahlt werden, die Kinder versorgt, die Kleidung schick sein und medizinische Kosten fallen ebenfalls an. Sport, Versicherungen, Unterhaltung und Alkohol dürfen dann natürlich auch nicht fehlen, um sich für den ständigen Stress zu belohnen, der mit Arbeit, Haushalt, Familie und oft auch Freizeit einhergeht. Der Terminkalender kann daher oft gar nicht voll genug sein – oder wir versuchen, uns erneut vor all den Anforderungen von außen zu verstecken und endlich abzuschalten.
Stress, Ablenkung, Abschalten.Ein Zyklus, bei dem ich mich frage, ob überhaupt jemand hier als Person selbst vorkommt? Wer bin ich denn, wenn ich nicht gerade eine Rechnung zahle, einer Freundin zuhöre und das nächste Problem lösen muss (oder mich erfolgreich davor drücke)?
Meist gibt es ständige Aufregungsspitzen, und selbst beim sogenannten Ausspannen kommen wir nur bedingt zur Ruhe. Jedenfalls nicht so sehr, dass wir einmal einen ruhigen Gedanken fassen und wirklich im Hier und Jetzt wären. Dadurch hängen wir ständig in denselben Schleifen fest, wiederholen unsere Muster und sind latent bis offen unzufrieden mit unseren Lebensentwürfen. Es fehlt uns Präsenz, Kreativität und echte Begegnung. Selbst unsere engsten Beziehungen können etwas sehr Funktionales annehmen, und es fällt uns schwer, ehrliche Gefühle oder wirkliche Probleme mitzuteilen. So beruhigen wir uns oft gegenseitig, dass wir doch toll wären, es nicht besser hätten machen können – und alles bleibt beim Alten.
Das mag in vielen Ohren sehr krass klingen, und zugegeben ist dies auch zugespitzt formuliert. Aber wenn wir einmal ganz ehrlich mit uns sind: Ein bisschen betrifft uns das schon, oder macht uns vielleicht sogar betroffen. Erlaube ich mir überhaupt die Frage: Wie kann ich mein Leben so leben, dass es erfüllend für mich ist?
Viele werden sagen, sie hätten hier schon Ideen. Angefangen von mehr Geld, einem besseren Job, einer neuen Wohnung, Urlaub… Dann wäre mein Leben erfüllter. Und schon geht es wieder los mit der Plackerei! „Wenn die politische Lage besser wäre, die anderen nicht so ‚deppat'…", höre ich andere sagen. An dem und dem Ort wäre es sicher besser. Am Land, da ist es ruhiger. Nein, in der Stadt, da ist was los. Und die Suche nach Auswegen endet nicht.
Das alles mag stimmen, aber das sind oft Faktoren, auf die wir wenig Einfluss haben! Ist es möglich, hier und jetzt, ohne zehn Jahre darauf hinzuarbeiten, ein erfüllteres Leben zu führen?
Ich glaube, der Knackpunkt liegt in der Herangehensweise an das Leben – und das liegt bei mir als Person. Moshé Feldenkrais sagte, dass das Leben ein Prozess ist. Veränderst du den Prozess, veränderst du dein Leben.
Wir erwarten beinahe, mit denselben Gewohnheiten und Mustern, die uns als Person ausmachen, neue Ergebnisse zu erzielen – und sind nahezu verzweifelt, dass das nicht klappt. Doch auch wenn wir die äußeren Parameter nicht ändern können, ist zumindest die innere Einstellung wandelbar. Wir können hier und jetzt die Weichen für ein gelungenes Leben stellen, nämlich ich selbst zu sein und den gegenwärtigen Moment zu erleben. Deshalb ist es so wichtig, an sich selbst zu arbeiten – nicht im Sinne von Plackerei, sondern einer sinnvollen und wichtigen Tätigkeit, die einen vervollständigt.
Im Westentlichen geht es darum in Übereinstimmung mit sich selbst zu leben und sich nicht für die Ideen anderer zu verbiegen
Feldenkrais, Atempädagogik und Embodied Life sind wunderbare Instrumente, um die eigene Lebensmusik persönlich zu gestalten zu lernen und nicht in vorgegebene oder gewohnte Gesänge mit einstimmen zu müssen. So können wir mit großer Achtsamkeit, sanfter Bewegung und behutsamer Versorgung aller inneren Anteile in Übereinstimmung mit uns selbst leben.
Ich freue mich, wenn ich euch bei diesem Prozess begleiten darf!
Johannes Zemanek




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