top of page
  • johanneszemanek

SELBSTBESTIMMT LEBEN!



Es gibt nur weniges, das wir so gerne umsetzen würden und gleichzeitig so unmöglich erscheint: Selbstbestimmt leben!

Es gibt so viele Strukturen und Beziehungen, in denen wir Abhängigkeiten verspüren und das Gefühl haben uns anpassen zu müssen. Arbeitskontexte, familiäre Strukturen, aber auch schon das Fahren mit der U-Bahn erfordert ein hohes Maß an Einordnung um einen gemeinsamen Ablauf zu gewährleisten. Sogar unsere Bewegungen und unser Atem sind oft von Gewohnheiten bestimmt, die wir nicht so einfach auflösen können. Wir alle wissen, wie gesund es wäre aufrecht sitzen zu können und uns ein paar Minuten lang auf den eigenen Atem zu konzentrieren, aber sobald wir es versuchen, tun wir das mit einem erheblichen Maß an Anstrengung, das wir kaum aufrecht erhalten können. Wenn ich von mir selbst aus bestimmen könnte, würde ich das wohl anders machen.

Viele dieser Strukturen entstehen schon in früher Kindheit und hängen stärker miteinander zusammen, als allgemein bewusst ist. Sich fast wie automatisch klein zu machen in Situationen der Angst und Beschämung, hat sich unter Umständen so stark in den Körper eingraviert, dass ich es anders kaum noch aushalte. Dabei wäre ich gerne aufrecht und würdevoll, auch wenn eine andere Person, aus welchen Grund auch immer, mich anschreit und abwertet. Um die eigenen Emotionen zu regulieren, hindern wir dann oft die freie Atembewegung, ziehen den Brustkorb ein und spannen die Bauchmuskeln an. Oft ziehen wir auch die Schultern hoch und den Kopf ein, als würden wir jederzeit einen Schlag erwarten. Vielleicht nicht physisch aber psychisch. Immer wieder gab es tatsächlich Notwendigkeiten der Impulskontrolle und der Anpassung, die von unseren Eltern vermittelt werden mussten. Wenn es gut ging, haben sie uns trotzdem ihre Liebe vermitteln können und nicht unnötig ihre Macht missbraucht oder aus eigenen psychischen Unzulänglichkeiten viel Leid verursacht.

Selbst dann gibt es nur selten gute Vorbilder für ein selbstbestimmtes Leben oder gar Erziehungspersonen, die ein solches in den Kindern fördern. Denn was heißt es selbstbestimmt zu leben? Wohl am ehesten, den eigen Bedürfnissen entsprechend zu leben und das auf einen Art und Weise, die weder mich noch andere verletzt. In einer Welt voller Ambivalenzen, sich widersprechender Bedürfnisse sind das natürlich schwierige Navigationsakte. Auch unterscheiden zu können, ob ich nun ein grundlegendes Bedürfnis adäquat befriedigen kann, oder ersatzweise, mehr oder minder suchtmäßige Auswege aus einem unannehmbaren Zustand suche, ist eine wesentliche Sache. Ein häufiger teuflischer Zyklus beginnt mit einer Anpassungsleistung an die Erwartungen anderer, aus Angst die Liebe Geborgenheit und Versorgung nicht zu bekommen, die wir so sehr brauchen. Dann laufen wir aber Gefahr die Bedürfnisse nach Autonomie und Selbstbestimmung dafür zu opfern. Das führt zu einem starken Unwohlsein, das mit inadäquaten Belohnungen, Café, Serien schauen, Handygebrauch, Alkohol und anderen Drogen ersatzweise betäubt wird. Oder ich schwinge in einer Gruppe mit, die mich nur akzeptiert, wenn ich mich genauso verhalte, spreche und gröle, wie das im ganz Allgemeinen erwünscht ist. Aber auch inadäquate Bedürfnisbefriedung ist wieder kostspielig, denn wir brauchen Geld und andere Machtmittel um diese zu erfüllen. Wir alle wissen, wie schnell wir uns dafür verführen lassen uns weiter anzupassen. Diese Form der Selbstkorruption ist leider so alltäglich wie gefährlich.

Auch wenn ich das Bild vielleicht tragischer und drastischer zeichne als viele das für sich selber wahrnehmen, finde ich die Frage nach Selbstbestimmung und der Selbstaufgabe in Kontexten von Abhängigkeiten sehr wichtig. Egal wo ich mich auf der Skala befinde, glaube ich mit Achtsamkeit, Atempädagogik und Feldenkrais einen wichtigen Beitrag leisten zu können diesen Zyklus zu durchbrechen. Wir können dadurch eigene Bedürfnisse und Muster besser bemerken und spüren lernen, sowie die autonomen Kräfte zur Selbstorganisation und Selbstgestaltung stärken. Wo halte ich meinen Atem an, wann verspanne ich mich und wie kann ich in ruhigen und dann auch in herausfordernderen Kontexten diese Festhaltungen lösen. Es ist auch möglich das Individuelle im eigenen Atem zu finden und in sozialen Kontexten zu behalten. Ich selbst und im Fluss sein, sind die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und stellen sich ein, wenn ich mich um mich selbst kümmere und für meine wesentlichen Bedürfnisse einstehe.

Ich freue mich, mit Euch auf diesem Feld gemeinsam zu forschen!


Johannes Zemanek

36 views0 comments

Comments


bottom of page